
Natuerlich haben Caesar & David noch keine Ahnung von Fussball. Woher soll sie auch kommen. Da gibt es kein Stadiongang am Wochenende. Also auch keine Fanlieder und keine Fussballregeln. Trotzdem ist Brasilien bei C&D hoch im Kurs. Wieso lieben eigentlich alle Brasilien? Ich glaube, da kann es eigentlich nur eine Loesung geben. Es liegt an den Namen. Ronaldinho, Rubinho, Cesar, Ronaldo ... Das klingt viel besser als: Schweinsteiger, Hitzlsperger, Mertesacker!
Die Ghanaer in Hamburg trommelten ihre Mannschaft an. Die Italiener feuerten ihr I-TA-LJA dagegen. Die Brasilaner neben uns waren zwar enttzuecken - David durfte die brasilianische Flagge schwenken wann immer er wollte. Er lernte, wie man die Haende nach vorn streckt, um dann die La Olà zu machen. Er kann jetzt: "Olé, oléoléolé!" - aber sie kamen aus Norderstedt und Davids neuer brasilianischer Freund heisst Mustafa!
... du wunderschoene Stadt... In diesen weltmeisterschaftlichen Tagen, muss ich nicht nur meinen Kindern, die wirklich jeden Fussballquatsch mitmachen, und den Tausenden Fans aus aller Herren Laender ein Riesenkompliment machen, eine Liebeserklaerung schenke ich meiner Stadt, meinem Stadtteil. Hamburg - St. Pauli - ist zur Zeit so schoen wie nie! Das Schanzenviertel ist schon immer ein Ort vieler verschiedener Kulturen gewesen. Im Moment feiern die sich gegenseitig und sie feiern miteinander.
Das Spiel der Portugiesen war schwach, dafuer war die Party anstaendig. Auf der anderen Strassenseite im Colmeia feierten sie lautstark jeden Angriff von Figo & Co. Naja. Ich feierte jeden Moment, der mir beschert wurde, in dem der angolanische Kicker Loco auf der Mattscheibe zu sehen war. Hier muss wohl der Name Programm sein (loco:spanisch fuer irre, verrueckt, schwachsinnig), denn koennte Mann sich sonst freiwillig mit solch einer Frisur zeigen: glattrasierter Kopf mit Rasterzoepfchen Stirnvorhang. Frisurentechnisch gesehen war er meine Nummer eins!
Heute Abend nun spielt endlich das erstemal die Squadra Azzurra auf. Um 21 Uhr, wenn langsam die Sonne untergeht, bevor die Dunkelheit kommt, ist sie da: die blaue Stunde oder soll ich in diesem Fall sagen, die Stunde der Blauen. Es wird ganz sicher ein Fest! Ein italienisches, ein lautes, ein froehliches. Ein verheissungsvolles!
Ich muss mich selbst korrigieren, schrieb ich noch gestern, dass die Stadt einer schwarz-rot-goldenen Tunke gleicht, weiss ich es schon heute besser. Die Stadt gleicht den Farben der Fan-Schar der kommenden Spiele. Gestern war alles hellblau-weiss gestreift (Argentinien) oder in ein leuchtendes Orange gehuellt (Elfenbeinkueste). Einige Fussballfreunde hatten offensichtlich Schwierigkeiten sich bei dem Spiel Argentinien:Elfenbeinkueste zu positionieren und trugen einfach Trikots, die zur Haelfte afrikanisch orange und zur Haelfte suedamerikansich gestreift war. Das, finde ich, ist auf jeden Fall eine gute Idee. Ich hab zumindest fuer einige Endspielvarianten, etwa Brasilien:Italien oder Deutschland:Italien auch eine gute Loesung gefunden. Meine Accessoires (Caesar & David) werden mich dann in den entsprechenden Landesfarben umrahmen, einer in den deutschen Farben und der andere in leuchtendem Azur oder eventuell auch in kreischend brasilianischem Gelb. Wir werden sehen.
Endlich hat das Warten ein Ende. Die Stimmung in der Stadt ist nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen ploetzlich aufgeheizt. Es ist toll! Die Busfahrer (zumindest einer) sind freundlich und oeffnen sogar mal die Tuere, wenn der Bus schon einen Centimeter vorgefahren ist. Die Laeden sind voll und ich habe Sprachen gehoert, die ich ueberhaupt nicht einordnen konnte. Ueberall werden einem, ob man moechte oder nicht - Promotion-Geschenke in die Hand gedrueckt (meine Ausbeute: aufblasbare Winkekissen, Krachmacher, eine Flasche Powerade, ein T-Mobil Schluesselband, Pfefferminz). Und die ansonsten oft muerrsichen Hamburger Gesichter strahlen nun so schoen.
Nun haben wir sie hinter uns, die "Windpockenausfall- Geburtstags- nachfeier-Disney-Paraden-Party". Und es war ein voller Erfolg. Der Zauberlehrling (aka Caesar), Pluto (aka David) & all die anderen Mickey Maeuse spielten: Spaghetti-Essen an der Leine & Topf schlagen. Wir versuchten Blinde Kuh, wussten aber ploetzlich nicht mehr wie es eigentlich geht - einem Kind auf holprigem Untergrund die Augen zubinden, um es dann auf andere "sehende" Kinder loszulassen, die es fangen soll, kann nur mit aufgeschuerften Knien und Geheule enden. Inzwischen weiss ich, dass sich die Kinder in einen Kreis setzen und dann ertasten muessen, wen sie angetickt haben. Auf Schatzsuche ging es natuerlich auch noch (keine Kinder-Party ohne Schatzsuche ist von Erfolg gekroent!) und am Ende sind die kleinen Jungs Monster mit BobbyCars den Huegel runter und haben sich ganz prima selbst beschaeftigt und die Maedchen haben gezeigt, wie man den HulaHoop dreht.
Wenn die Eltern sich fuer Kunst, Kultur & nicht zu vergessen, den bestechenden und oft sehr hilfreichen Kommerz interessieren, dann finden die Goeren es meist auch ganz okay. Bei uns ist das so. Venedig mit all seinen kostbaren Schaetzen (inklusive dem Disney Store) haben wir den Kindern versucht nahezubringen. Hat geklappt. Nun war Paris dran. Nach den Sightseeing-Landmarks kam die Kunst. Das groesste Museum der Welt, der Louvre hat natuerlich so viele wunderbare Werke zu bestaunen. Dafuer hatten wir nur leider keine Zeit. Und so entschieden wir uns fuer die Skulpturen-Ausstellung plus – na klar! – Mona Lisa. Wahrend Steff ueber die unglaublichen Arbeiten staunte und hier und da versuchte den Kindern zu erklaeren, wer was wann erschaffen hatte, waren die von ganz anderen Dingen beeindruckt: „Pimmelmann“, „Busen“ und andere Nackedeis (Die drei Grazien) fanden die beiden zum Bruellen. Und das die eine keinen Kopf, dafuer Fluegel (Nike von Samothrake) und die andere keine Arme (Venus von Milo) hatte, fanden die beiden dann auch ganz spannend.
In Paris waren wir ja auch noch. Und wie wir da waren. Paris Xtrem. Paris im Schnelldurchlauf. Wir - Steff und ich - waren schon mehrfach in Paris. Damals noch ohne Kinder. Und da wir Paris so lieben, wollten wir uns es nicht entgehen lassen, die Stadt der Liebe unseren Kindern zu zeigen.
Eines darf nicht unerwaehnt bleiben. Das aller Schoenste. Das was mich zeitweilig zu Traenene ruehrte (neben Davids Freude) war (man darf es kaum sagen) die Parade mit allen Klassikern der Disney-Geschichten. Mit Taenzern und maerchenhaften Wagen und einer perfekten Disney-Musik. Diese Musik ist immer wieder Ohrwurmmaessig und setzt sich direkt im Lang - und Kurzzeitgedaechnis, im Stammhirn und wo auch immer in Kopf und Ohr fest. Und laesst zumindest mich nicht mehr los. Steff ging der im Endlostape abgespulte Song augenblicklich auf die Nerven (love it - or hate it). Ich LIEBTE den Song und hab mir natuerlich die CD gekauft. Schon bei der Zeile: "If you take my Hand, just like Alice your in Wonderland. It's Magic!" Kamen und kommen mir beinahe die Traenen. Ich musste mich auch mehrfach selbst dabei beobachten, wie ich voellig vergessend, dass MENSCHEN unter den warmen Pluto-, Donald- oder Chip & Chap-Kostuemen stecken, den Disneyfiguren zurief.
Wir haben sie alle getroffen: Mickey, Donald, Pluto, Chip & Chap, Goofy, Aladdin, Dschafar, Jessie, Buzz Lightyear und last but ganz sicher not least WOODY!! Eigentlich waren Steff und ich uns sicher, dass Woody nicht im Park zu finden ist. Es gab den Buzz Blast, da konnte man gegen Zurg den boesen Emporer kaempfen. Es gab Disney-Stores mit Buzz-Spielzeug ohne Ende. Nur wenig Woody. Es gab den Pizza Planet. Sah auch nicht nach Woody aus. Und so haben wir dann abends David vorsichtig darauf hingewiesen, dass Woody vielleicht gerade schlaeft oder im Urlaub ist. Ein leichtes Verzweifeln war in dem sonst so froehlichen Gesicht zu erkennen. Kann man sich in etwa vorstellen wie laut der Schrei war, als David am naechsten morgen in den Walt Disney Studios bei der „Good Morning Parade“ Woody entdeckte? Er lief „WOODY“ bruellend auf ihn zu. Ich ebenso „Woody“ schreiend hinterher. David ueberrannte einfach die Absperrung und klammerte sich an Woodys Bein. Voller Glueckseligkeit klebte er da ein paar Nanosekunden. Bis DREI Securitys ihn sanft aber bestimmt von Woody wegholten, mir aber gleichzeitig einen Tipp gaben, wo die Disney-Stars mit ihren Fans zum Foto bitten.